Chronik

Let it B!

Sonntag, 4. November 2007, 17 Uhr
Lukaskirche Luzern

Grazyna Bacewicz
Divertimento für Streichorchester

Johann Sebastian Bach
Violinkonzert in E-Dur (BWV 1042)

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 7 in A-Dur, op. 92

Orchester Santa Maria
Leitung und Solo: Droujelub Yanakiew

Zu den einzelnen Werken ...

Grazyna Bacewicz (1909-1969)
Divertimento für Streichorchester

I. Allegro II. Adagio III.Giocoso
Die Polin Grazyna Bacewicz begann früh ihre Ausbildung bei ihrem Vater. Neben Komposition erhielt sie Klavier- und Violinunterricht. Im Jahr 1928 begann Bacewicz an der Universität Warschau ein Philosophiestudium und studierte daneben Komposition, Violine und Klavier. Später studierte sie weiter in Paris. Während des Zweiten Weltkriegs lebte sie in Warschau und gab Untergrundkonzerte. Nach Kriegsende wirkte sie, neben ihrer kompositorischen Tätigkeit, als Violinistin mit Lehrtätigkeit an den Konservatorien von Lódz und Warschau. Daneben war sie als Schriftstellerin sehr erfolgreich und publizierte in Polen mehrere Erzählungen und Romane sowie eine Komödie, welche vom polnischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ihre philosophische und schriftstellerische Seite fand Eingang in ihr kompositorisches Schaffen, über das sie jedoch jegliche Auskunft verweigerte. Das Entstehen einer Komposition war für sie "eine diskrete, rein persönliche Angelegenheit".
Bacewicz komponierte eine Funkoper (Przygoda Króla Artura, 1959), drei Ballette, sechs Sinfonien und weitere Orchesterwerke, mehrere Instrumentalkonzerte, zahlreiche Kammermusikwerke, eine Kantate und Lieder. Sie gilt als Meisterin der Instrumentation und als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der modernen polnischen Musik. Das Divertimento für Streicher - entstanden als spätes Werk im Jahre 1965 - ist ein zugängliches und witziges Stück mit konzertantem Charakter.

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Violinkonzert in E-Dur (BWV 1042)

I. Allegro II. Adagio III. Allegro assai
Johann Sebastian Bach war nicht nur ein ausgezeichneter und seinerzeit weltberühmter Organist und Cembalist, sondern auch ein hervorragender Geiger. Er erlernte dieses Instrument bereits in frühester Jugend und stand sein Leben lang der Violine sehr nahe. Neben je drei Solo-Sonaten und Solo-Partiten schuf Bach für die Violine auch zwei Konzerte, in denen er insbesondere Errungenschaften Antonio Vivaldis weiterentwickelte.
Dreisätzig angelegt, verbindet das Violinkonzert in E-Dur ein aus dem Geist der Da-Capo-Arie entstandenes, die Ritornellform nur andeutungsweise anwendendes Allegro, ein über einem Ostinato weit ausschwingendes Adagio und ein Rondo von unbeschwerter Kehraus-Stimmung zu einem effektvollen Bogen. Während die Hauptteile der beiden Ecksätze zum Teil heiter und freudig wirken, konzentriert sich die der Tonart E-Dur anhaftende zeitgenössische negative Inhaltlichkeit voll und ganz auf deren Kontrastabschnitte sowie auf den 2. Satz, dessen cis-moll die E-Dur-Symbolik noch steigert.
Der 1. Satz ist in einer dreiteiligen Da-Capo-Form aufgebaut, deren Hauptthema den aufstrebenden E-Dur-Dreiklang exponiert, ehe von diesem Variationen und Fortspinnungen ausgehen, in welchen Bach den Wechsel zwischen Solostimme und Tutti meisterhaft zur Geltung bringt. Das Adagio basiert auf einem gleich zu Beginn erklingenden ostinaten Bass, welcher oft verkappt oder nur teilweise zitiert wiederkehrt. Über dieser Linie ergeht sich nun die Solovioline einerseits als Reaktion auf den Bass, andererseits aber auch als Ausgangspunkt zu Aufschwüngen, welche sich der schwer lastenden Sphäre des Ostinato zu entziehen trachten. Den Schlusssatz gestaltete Bach nach französischem Vorbild. Das Ritornell eröffnet mit Spielfreude die Szene und ertönt in gleicher Weise noch viermal. Dazwischen sorgen unterschiedlich modulierende Episoden für ausdrucksvolle Kontraste, bis die brillante Steigerung des Ritornells den Schlusspunkt setzt.

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sinfonie Nr. 7 in A-Dur, op. 92

I. Poco sostenuto II. Vivace Allegretto III. Presto IV. Allegro con brio
Beethoven verarbeitete in seiner 7. Sinfonie die Eindrücke aus den preussischen Befreiungskriegen. Sie deutet nicht so deutlich auf die kommende Epoche der Romantik hin, zeigt aber trotzdem klare harmonische und polyphone Neuerungen. Die Uraufführung im Dezember 1813 entfachte eine riesige Euphorie und Begeisterung unter dem Publikum. Der Rezensent der "Wiener allgemeinen musikalischen Zeitung" schrieb: "Die Classizität der Simphonien des Hrn v. Beethoven, des größten Instrumental-Componisten unserer Zeit, ist anerkannt. Diese neueste erwirbt dem genialen Verfasser nicht geringere Bewunderung, als die ältern, vielleicht ist es sogar ein wichtiger Vorzug, den sie vor diesen behauptet, daß sie, ohne ihnen in der Künstlichkeit des Satzes nachzustehen, in allen Teilen so klar, in jedem Thema so gefällig und leicht faßlich ist, daß jeder Musikfreund, ohne eben Kenner zu seyn, von ihrer Schönheit mächtig angezogen wird, und zur Begeisterung entglüht. Die Analyse des Einzelnen dieser Symphonie, würde, bei aller Umständlichkeit, die sie erforderte, niemals hinreichend seyn, denjenigen unserer Leser, welche ihrer Aufführung nicht beigewohnt haben, ein Bild des Ganzen zu skizziren; um Werke der Kunst zu würdigen, wird ihre unmittelbare Anschauung bedungen."