Chronik

After Eight

Sonntag, 25. März 2007, 20 Uhr
Aula der Kantonsschule Alpenquai, Luzern

Henry Purcell
Suite für Streicher aus "King Arthur" »

Ralph Vaughan Williams
Fantasia on a Theme by Thomas Tallis für doppeltes Streichorchester »

Edward William Elgar
Serenade für Streichorchester op. 20 »

Edward William Elgar
Elegy op. 58 »

Edward Benjamin Britten
Les Illuminations op. 18 für Sopran u. Streicher »

Orchester Santa Maria
Ana Maria Labin, Sopran
Dieter Lange, Leitung

Zu den einzelnen Werken ...

Henry Purcell (1659-1695)
Suite für Streicher aus "King Arthur", arrangiert von Julian Herbage
1. Overture 2. Aire 3. Hornpipe 4. Song Tune 5. Aire 6. Chacone

"King Arthur" (1691) ist eine Semi-Oper in fünf Akten. Die Handlung basiert auf den Kämpfen des britischen Königs Artus gegen die Sachsen und dreht sich hauptsächlich um die Bemühungen Artus', seine Verlobte, die blinde Prinzessin Emmeline von Cornwall, aus den Armen seines Erzfeindes, des Sachsenkönigs Oswald von Kent, zu retten. Die gespielte Fassung von "King Arthur" entstand aus der Tradition, Suiten aus Instrumentalstücken der Opern zusammenzustellen und konzertant aufzuführen. Das Arrangement ohne Bläser entspricht den Gepflogenheiten der "Streichorchesterzeit" von Ende 19. bis Mitte 20. Jahrhundert.

Ralph Vaughan Williams (1872-1958)
Fantasia on a Theme by Thomas Tallis für doppeltes Streichorchester

Vaughan Williams etablierte einen neuen englischen Nationalstil. Er vermied die zu seiner Zeit starken romantisch getönten Einflüsse und setzte hingegen auf die Inspiration durch englische Folk Music. Mit Edward Elgar verband ihn eine tiefe Verwurzelung in der englischen Landschaft, doch während Elgar sich stark international orientierte und Einflüsse des Kontinents aufnahm, ist Vaughan Williams' Musiksprache vielmehr englisch national geprägt. Die Fantasia ist das erste grössere Orchesterstück des damals 38-jährigen Komponisten und basiert auf einem Thema eines kirchlichen Chorstückes von Thomas Tallis aus dem Jahre 1567. Das Werk ist für Doppelorchester plus Streichquartett konzipiert und lässt eine räumliche Aufteilung dieser drei Gruppen offen. Vaughan Williams hat dabei die raumakustischen Möglichkeiten einer grossen Kirche berücksichtigt für eine optimale Entwicklung der dynamischen Kontraste vom delikaten, feinsten Pianissimo bis zum majestätischen Fortissimo.

Edward William Elgar (1857-1934)
Serenade für Streichorchester op. 20
I. Allegro piacevole II. Larghetto III. Allegretto

Elgar war der erste herausragende englische Komponist nach Henry Purcell und einer der bedeutendsten Vertreter der musikalischen Spätromantik. Die Serenade erlebte ihre Anfänge im Jahre 1888 in der Form von drei Sätzen für Streicher. Ihr Schöpfer - damals hatte sich Elgar noch nicht zum Komponistenberuf entschlossen - sagte nach der privaten Uraufführung, dass sie die ersten Kompositionen gewesen seien, welche er selbst überhaupt gemocht habe. Vier Jahre später arbeitete Elgar die Stücke in die vorliegende dreisätzige Serenade um. Als eines der populär gewordenen kleineren Werke Elgars enthält das Stück zahlreiche Charakteristika seiner Musik: kristallklare Präzision und grosszügige melodische, nahezu melancholische Bögen. Die Serenade verbindet den jugendlichen Charme Elgars mit ersten Anzeichen seiner musikalischen Reifung.

Edward William Elgar (1857-1934)
Elegy op. 58
Adagio

Im Jahr 1909 starb Elgars Redakteur und treuer Freund August Jaeger, als dessen Abschied die Elegy aufgefasst werden darf. Offiziell widmete Elgar das Werk einem früheren Funktionär der Worshipful Company of Musicians. Die elegischen Gedanken - so ruhig ausgedrückt und mit derartiger Beherrschung des Streicherklangs geschrieben - lassen jedoch den viel persönlicheren Grund vermuten. Die von Schwermut geprägten Klänge werden im Verlaufe des Werkes immer wieder durch drängende, klagende Momente so weit geführt, dass die pure Verzweiflung in der Trauer deutlich spürbar wird. Die intensiven Schlusstakte verklingen in c-Moll, so dass die Schwermut letztlich als Ende stehen bleibt.

Edward Benjamin Britten (1913-1976)
Les Illuminations op. 18
I. Fanfare, II. Villes, IIIa. Phrase, IIIb. Antique, IV. Royauté,
V. Marine, VI. Interlude, VII. Being Beauteous, VIII. Parade,
IX. Depart

Für Britten stellte die Verknüpfung von Wort, Stimme und Musik etwas Besonderes dar. Insgesamt sechsmal wandte er sich ausführlich Gedichtzyklen zu. Während seines Versuchs, nach Amerika auszuwandern, las er begeistert Arthur Rimbaud. Dessen Gedichte faszinierten ihn derartig, dass er daraus seinen Liedzyklus Les Illuminations (1939) entstehen liess. Er konzipierte ihn für die Sopranistin Sophie Wyss, legte bei der Druckfassung jedoch Wert darauf, dass auch andere Stimmlagen sich der Melodien annehmen konnten. Les Illuminations mit den französisch komponierten Texten ist nicht nur aufgewühlt-visionär, sondern auch verschlüsselt autobiographisch. Die dichterischen Äusserungen Rimbauds verflechten eine in der Homosexualität wurzelnde ästhetische Expressivität mit dem gleichsam existenzialistischen Weltgefühl eines verfemten Dichters. Die düstere Grundstimmung ist sicherlich nicht unbeeinflusst vom beginnenden Weltkrieg.